Georg Kalteis

Georg Kalteis

† in Degerndorf
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Von trauer.de Redaktion (cs), Dachau

29.01.2007 um 19:56 Uhr
Georg Kalteis aus Brannenburg ist tot. Er starb plötzlich und unerwartet im Behandlungszentrum Vogtareuth, das er wegen einer Hautverpflanzung, die gut verheilt war, aufgesucht hatte. Kalteis hatte sich schon vor dem Krieg einen Namen als Extremkletterer gemacht. Er war mit dem Eisernen Kreuz Erster Klasse dekoriert.Georg Kalteis wurde am 17. Dezember 1912 in Schechen als sechstes von zwölf Kindern geboren. Das Kleinbauernanwesen konnte die hungrigen Mäuler kaum sättigen. Georg Kalteis ging in Hochstätt zur Schule und später auch zu Fuß nach Rosenheim in die Lehre bei Malermeister Faltner. Als er sich ein altes Fahrrad leisten konnte, zog es ihn in die Berge. Bald wurde er bekannt als mutiger Bergsteiger und sicherer Kletterer. Das Kaisergebirge wurde sein Hausberg. Sein Name war bald in Extremkletterkreisen bekannt und es gab viele gute Bergsteiger, die mit ihm als Vorkletterer schwierigste, oft überhängende und glatte Wände bezwingen wollten und konnten. Der in Fachkreisen bekannte Autor Emil Kuntz beschrieb die dritte Erstbesteigung der Großen Zinne-Nordwand 1938 mit Georg Kalteis als Führer. Kuntz schilderte die Schwierigkeiten, Mühen, Entbehrungen, Gefahren und das Können von Kalteis so bildhaft, dass es den Leser kalt erschauert. Georg Kalteis erwarb den Malermeister, noch bevor er 1939 in den Krieg musste. Er kämpfte an der Ostfront in Russland, in der Ukraine und in den Bergen des Kaukasus. Er wurde mehrmals verwundet, überlebte einen Schulterdurchschuss und verlor durch Querschläger Stücke von Schien- und Wadenbeinknochen. Kalteis erhielt für Mut und Tapferkeit das Eiserne Kreuz erster Klasse, eine höchst seltene Auszeichnung für einen einfachen Soldaten. Aber auch im Zivilleben vollbrachte der Malermeister Erstaunliches. Noch mit 85 Jahren arbeitete er auf Baugerüsten und mit langer Leiter an Fassaden, trotz eines offenen Fußes. 1946 heiratete Georg Kalteis Anna Bichler und baute mit ihr in Degerndorf ein Haus. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2002 lebte er allein in seiner Erdgeschosswohnung. Er versorgte sich weitgehend selbst. Man sah ihn häufig mit zwei Krücken und Rucksack zum Einkaufen gehen. Frauen des Christlichen Sozialwerks halfen ihm Putzen und Waschen und verbanden sein krankes Bein. Nun verstarb er plötzlich und unerwartet. Die Ärzte bescheinigten ihm volle geistige Frische bis zur letzten Stunde.

OBERBAYRISCHES VOLKSBLATT

vom 27.01.2007